100 Jahre Silbersee 2 Sythen (Haltern am See)
Immer einen Schritt voraus Silbersee 2 100 Jahre 1927-2027

Silbersee 2 100 Jahre 1988

Teil 16 / Nichts Neues!
Quellenbericht (gekürzt) Dülmener Zeitung / 20.08.1988
Viele Badegäste sonnen sich sorglos auf gefährlichen Steilhängen am Ufer.
Fortschreitende Gewinnung von den Quarzwerken hat die Landschaft am Silbersee verändert.
Haltern (siwi): „Wir wollen in erster Linie unseren Arbeitsbereich sichern“, erklärt Betriebsleiter Thomas Clemet von der Quarzwerke in Haltern am See bei einem Ortstermin. Die mangelnde Entschlusskraft auf politischer Ebene hat das Unternehmen dazu gezwungen, das Badevergnügen im Sythener Stausee, der sich auf dem Gelände der Halterner Quarzwerke befindet, mittels betriebsinterner Maßnahmen zu verhindern. Seit kurzer Zeit warnt eine Lautsprecherdurchsage vor drohenden Gefahren. Mit dem Stapellauf des neuen Baggers hat sich die Geschichte der Silbersee-Landschaft stark verändert. Während momentan vor allem im Ostteil des Geländes neuer Quarzsand gewonnen wird, füllt man im südlichen Bereich des Sees mit überflüssigem Abraum wieder auf, um das Gebiet später rekultivieren zu können. Das Ufer ist in diesem Teil nicht mehr mit weißem Sand bedeckt. Braunschwarze Erdmassen locken an dieser Stelle nur noch wenige Badefreunde an. Allzu viele Sonnenhungrige lassen sich jedoch von der veränderten Landschaft und dem Einsatz schwerer Lastwagen an jedem Werktag nicht davon abhalten, den See als Erholungsgebiet zu nutzen. Nicht einmal die starke Staubentwicklung und der Motorlärm scheinen ihr Badevergnügen zu stören. Bewundernswert in ihrer Sorglosigkeit aalen sich die unerwünschten Gäste am Ufer des Baggersees, obwohl zahlreiche Hinweise vor Gefahren warnen.
Mit fortschreitender Gewinnung von Quarzsand – in einer Nacht förderte das Baggerschiff mit seinem Schneidbohrer rund 13 000 Tonnen Sand aus 38 Meter Tiefe – entstehen gefährliche Steilhänge am Ufer des Sees. Diese können jederzeit anbrechen. Thomas Clement beschrieb eindrucksvoll, wie Böschungen in der Größe eines Fußballfeldes plötzlich zusammenschütten.
Unter anderem weist die Betriebsleitung darauf hin, dass die Ankerseile des Baggerschiffs und ein 10000-Volt-Unterwasserkabel plötzlich reißen und solche Verletzungen verursachen konnten. Angesichts dieser Warnungen mutet es geradezu herausfordernd an, wenn sich Badende an die Ankerseile hängen und damit spielen. Immerhin zeigt die Lautsprecheraktion der Quarzwerke bis hierhin insoweit Erfolg, dass beim Abspielen des Bandes zumindest einige Besuchergruppen die Badehose wieder einpackten und das Gelände verließen. Um diesen Effekt zu verstärken, wird zurzeit häufig eine Reiterstaffel der Polizei eingesetzt, die bis gegen Abend das wilde Campieren und Grillen am Silbersee verhindern soll.
Die Zerstörungswut mancher Besucher ist ungebrochen. Das Baggerschiff muss mittlerweile vom Wachdienst in Begleitung eines Hundes vor Übergriffen gesichert werden. Schwimmer waren häufig auf das Schiff gekettet, hatten sich an der Reling aus dem Kopfsprung geübt oder einfach Arbeitsgerät über Bord geworfen. Im Abraumgebiet am Ufer wurden wahllos Planierraupen demoliert und Gegenstände, darunter Luftfilter, mitgenommen.


 
 
 
 
 
 
 

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